Verlauf

Heilpraktiker im Visier


28. November 2018

In zwei Tagen jährt es sich zum 5 mal, dass ich in Aschersleben meine Prüfung zum Heilpraktiker bestanden habe. Das war für mich der Beginn meines zweiten Lebensweges. Und ich kann sagen, es war die richtige Entscheidung, diesen neuen Weg einzuschlagen und zu gehen.

Es ist unwahrscheinlich spannend, jeden Tag mit Menschen zu arbeiten und dazu beizutragen, dass jeder, der zu uns kommt, mit uns gemeinsam die Möglichkeit erhält, wieder zu Gesundheit und damit zu einem erfüllten Leben zurück zu finden.

Der Alltag sieht aber ein klein wenig anders aus, das o.g. ist zwar das absolute Ziel unserer Arbeit und wir richten unsere gesamte Anstrengung darauf aus; nur wird unsere Arbeit als Heilpraktiker in der Öffentlichkeit immer mehr abgewertet.

In der Politik und den Medien wird seit Jahren immer wieder laut und oft auch sehr polemisch darüber diskutiert Heilpraktiker komplett zu verbieten, oder sie in ihrer Tätigkeit stark zu beschränken. Um das zu untermauern, kursieren dann auch oft schlimme Horrorgeschichten durch die Presse.

Ich habe mir angewöhnt, wenn solche auf den zweiten Blick doch sehr schwammigen und eigentlich nichts aussagenden Informationen auftauchen, mir folgende Frage zu stellen:

Wer hat was davon?

Ich komme für mich auf folgendes:

Es gibt in Deutschland derzeit rund 40.000 Heilpraktiker; mehr als niedergelassene Ärzte. Wenn ich nur mal annehmen würde, dass jeder dieser Heilpraktiker nur zwei Patienten am Tag behandelt (bei uns sind es eher 15 bis 20), dann wären das 80.000 Patienten jeden Tag (!), die nicht in eine Arztpraxis gehen und somit den täglichen Arztbetrieb belasten.

Wenn Sie schon mal bei einem Heilpraktiker waren, wissen Sie, dass er sich viel Zeit nimmt, um sich Ihre Krankengeschichte anzuhören und nochmal viel Zeit, um mit Ihnen eine Therapie durchzuführen, die Ihnen in einem begrenzten Zeitraum das bringt, womit Sie wieder zu Ihrer Gesundheit kommen.

In der Naturheilkunde geht es nicht darum ein Leben lang Medikamente zu nehmen, sondern nur in einer begrenzte Zeit zu behandeln und damit eine Regulation des Körpers zu erreichen. Und das immer auf die aktuelle Lebenssituation angepasst. Nehmen wir an, Sie wären Mitte 40, beruflich extrem eingespannt und bekommen dadurch hohen Blutdruck, mit Ende 60 sind Sie aber längst in Rente, den Auslöser für den hohen Blutdruck gibt es nicht mehr da Sie ein ganz anderes Leben führen. Trotzdem nehmen Sie aber immer noch das gleiche Blutdruckmittel ?!

Wenn Sie jetzt mal an Ihren letzten Arztbesuch denken, werden Sie wahrscheinlich die gleichen Erinnerungen wie die meisten Menschen haben: Sie mussten zwei Stunden oder mehr in einem überfüllten Wartezimmer sitzen, um dann für sieben Minuten zum Arzt vorgelassen zu werden, der Sie dann weder anfasst, noch ansieht, weil er die gesamten sieben Minuten damit beschäftigt ist, etwas in seinen Computer zu schreiben (nämlich den Grund Ihres Besuches), um Ihnen dann vielleicht ein Medikament zu verschreiben… und schwubs sind Sie schon wieder draußen und denken „… aber ich wollte doch… und darum ging es doch gar nicht… und was ist jetzt mit.…???“

Ihr Besuch bei Ihrem Arzt ist also nicht so richtig verlaufen wie Sie es sich wünschten und wie Sie es gebraucht hätten. Sie schleppen sich die nächsten Wochen irgendwie durchs Leben, die neuen Medikamente helfen nicht, Sie müssen also wieder zu Ihrem Arzt – und siehe da, das selbe Procedere beginnt wie oben beschrieben von vorn.

So zieht es sich oft Monate oder sogar Jahre hin, die Medikamente und Krankheitstage werden mehr, das Wohlbefinden hingegen immer weniger.

Zusätzlich hören Sie in den Nachrichten jeden Tag, dass unser Gesundheitssystem völlig überlastet ist, das Fachkräfte und Geld fehlen. UND nicht zu vergessen, Heilpraktiker müssen verboten oder zumindest reglementiert werden.

Heilpraktiker haben mit dem bestehenden (und marodem) Gesundheitssystem nichts zu tun. Heilpraktiker werden weder aus diesem System bezahlt noch werden sie in irgendeine Weise in diesem System mit aufgeführt. Im Gegenteil: nach meiner Schätzung bringen sie mindestens 80.000 Behandlungen täglich Entlastung für die Arztpraxen, ohne das Zutun des Gesundheitssystems und der Politik, die sie abschaffen wollen.

Was würde sich ändern, wenn es also keine Heilpraktiker mehr geben würde? Die Krankenkassen könnten den Beitrag erhöhen, weil das Gesundheitssystem ja so sehr überlastet ist. Für die Ärzte in unserer Region gar nichts, weil sie mit ihren Kapazitäten am Ende sind und keine Patienten mehr annehmen, d.h. sie arbeiten genau so weiter: Patienten im 7 Minutentakt innerhalb ihrer Sprechzeiten.

Also für Krankenkassen und Ärzte keine Veränderungen.
Und wie steht es mit dem, um den es eigentlich gehen sollte?
Dem Menschen, der Hilfe braucht?
Dem Patienten?

Die u.g. Webseite wurde wahllos von mir gewählt, das Statement finden Sie überall woanders auch:

Wenn es keine Heilpraktiker mehr geben würde, müssten also 80.000 Behandlungen jeden Tag mehr untergebracht werden.
Das sind 560.000 Minuten!
Das sind 9.333 Stunden mehr Arztpraxenbetrieb jeden Tag!
Ich behaupte mal, das ist unmöglich. Wozu werden auf politischer Ebene solche Diskussionen geführt, deren Konsequenzen nicht absehbar sind?

Also wem wird diese Verbot etwas bringen und wer bleibt dabei auf der Strecke?
Wer hat was davon?
Und wer nicht?
Das deutschen Volk?






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Von:

Dirk JoenssonIch bin seit 2013 Heilpraktiker bei Vitalis. Schnell war klar, dass ich mich auf Schmerztherapien spezialisieren wollte, leiden doch sehr viele…

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